GEWALT GEGEN FRAUEN BEENDEN

 

40 Jahre Autonome Frauenhäuser


Sie sind versteckt, die 135 Autonomen Frauenhäuser wie auch die 210 von Verbänden geführten Schutzorte für Frauen und Kinder in Deutschland im Jahre 2016. International kommen noch etliche dazu. Ihre Adressen dürfen nur bestimmte Personen wissen, die Meldebehörden müssen die Aufenthaltsorte der dort Wohnenden als »geheim« behandeln.

HEINZ WEINHAUSEN, REDAKTION KÖLN

Seit der Revolte der 68er musste das Patriarchat manch eine Bastion aufgeben. Aber die Männerherrschaft hat sich nur kurz geschüttelt und neu ausgerichtet. Nun dürfen auch auserlesene Frauen ab und an in Chefetagen und in Aufsichtsräte, ja sogar als Bundeskanzlerin männlich sein. Gewöhnliche Frauen dürfen sich nun in Kameradschaft zu soldatischem Töten "ausbilden" lassen. Ein falscher Feminismus hat sich mit der kapitalistischen Macht - Privilegien erhaschend - verbündet. Und dient als Feigenblatt zur Verschleierung des strukturellen Patriarchats. Aber die Männerherrschaft zeigt weiterhin ihre hässliche "Fratze", wenn auch manche juristische Reform die rohe Gewalt einzudämmen gedachte. Direkte Gewalt von realen Männern an "ihren" Frauen und Kindern ist weiterhin bundesdeutscher Alltag. Versteckt hinter Wohnungswänden wird eingeschüchtert, gedroht, niedergemacht, geraubt, "sexuelle Verfügbarkeit" durchgesetzt, geschlagen, geprügelt, auch totgeschlagen. Der Opfer sind immer noch viele, viele Tausende. Jede vierte Frau hat Gewalterfahrung. 18.000 (!) Frauen und Kinder flüchten jährlich in die Frauenhäuser. Der Bedarf ist viel größer. Was in der Flüchtlingspolitik zur Zeit traurigerweise und grundgesetzwidrig diskutiert und schließlich mit Beifall garniert "durchgepeitscht" werden wird, ist bei gewaltbetroffenen Frauen längst schon Wirklichkeit: die Obergrenze. Trotz großem Hilfebedarf schaut die sich modern fraulich gebende Männerherrschaft verschämt oder ganz bewusst weg. 345 Frauenhäuser sind ihnen genug und überhaupt zu teuer und basta. Andere gesellschaftliche Bereiche, wo es um Macht und nicht um Opfer geht, kennen keine Obergrenze. Der Militärwahn und der Wissenschaftswahn etwa werden stets fürstlich bedient. Mensch stelle sich vor, Mitte der siebziger Jahre gab es noch kein einziges Frauenhaus, keine institutionelle Hilfe zur Selbsthilfe. Natürlich wurde auch damals geflüchtet - zu Freundinnen und Bekannten. Die sich selbst in Gefahr brachten, von den in ihrer "Ehre" gekränkten Ehemännern angegriffen zu werden. Die damals sehr starke Frauenbewegung schaffte es, die Situation für die gewaltbetroffenen Frauen und Kindern deutlich zu bessern. Beginnend im Jahr 1976 in Berlin und Köln wurden den Kommunen und Ländern in den kommenden Jahren hunderte Schutzorte samt Finanzierung abgetrotzt. Hunderttausende Frauen, Jugendliche und Kindern bekamen in vier Jahrzehnten ihre Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. Da heißt es Hut ab. Eine bohrende Frage drängt sich nach 40 Jahren auf: Müssen in 400 Jahren immer noch Frauen vor wild gewordenen Patriarchalen flüchten? Vielleicht dann auch Menschen mit Penis vor männlich sozialisierten Frauen? Die Antwort ist einfach. Kapitalismus und Patriarchat sind nicht für die Ewigkeit, sie sind von Menschen erfunden und gemacht. Ebenso können wir in einer solidarisch-egalitären, selbstverwalteten Gesellschaft leben. Wenn wir denn wollen. Am besten warten wir nicht zu lange, damit wir es - ansatzweise wenigstens - noch selbst erleben können. Der Schwerpunkt "40 Jahre Autonome Frauenhäuser" gibt Einblicke in deren Alltagswelt, berichtet vom Kampf um das erste Kölner Haus 1976, weist auf die Finanzierungsmisere hin. Aktion und Reflektion zeigen: Das Private ist politisch, die Frauenhäuser bleiben in Bewegung.

Spendenziel 2016: 6.500 Euro

»Ändere die Welt. Sie braucht es.«

Bert Brecht

Ändere die Welt, sie braucht es; immer dringlicher. Wie beim Gärtnern braucht es Geduld, bis die Zeit der Ernte kommt. Wir können heute nur säen. Samen des Widerstandes und hoffen, dass eine robuste Pflanze sprießen wird. Klein fing der Widerstand bei den selbstorganisierten Klimacamps an, diesen Sommer wurde die Garzweiler-Grube trotz Polizeipräsenz von Hunderten besetzt.

 

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