FAIRKLEIDEN

Foto: Kampagne für saubere Kleidung

Reduce, Reuse, Recycle

Jedes Jahr landen allein in Deutschland eine Million Tonnen gebrauchte Kleidungsstücke in Altkleidersammlungen. 62.000 LKW könnte man damit beladen. Das entspricht einer Fahrzeugschlange von Flensburg bis Innsbruck. 60 neue Kleidungsstücke im Schnitt kaufen sich die Menschen in Deutschland alle Jahre wieder.

ARIANE DETTLOFF, REDAKTION KÖLN

Gerade zum soeben erlebten Kon­­sumfest Weihnachten dürften wieder jede Menge im Wortsinn »TODschicke« Teile unter abgehackten Bäumen in hiesigen Stuben gelandet sein. Nach durchschnittlich viermaligem Tragen vergrößern sie die Müllberge in den armen Ländern des Südens oder ruinieren die dortigen Märkte.

Der Ursprung der Klamotten liegt oft in Südasien, wo sie überwiegend von Frauen und Mädchen unter unsäglichen Bedingungen in sogenannten Sweatshops (Ausbeuterbetrieb) zusammengenäht werden. Gerade einmal 0,6 Prozent vom Preis eines T-Shirts, das hier für 29 Euro über den Ladentisch geht oder die erfreuten Online-Kund*in per Paketboten erreicht, erhält die Näherin: schlappe 18 Cent.

Die globalisierte Modeindustrie nomadisiert in ständig neue Billigstlohnländer. Nach China und Bangladesch sind es nun bevorzugt Äthiopien, Kambodscha und Myanmar. Aber auch in Lateinamerika und in Osteuropa wird zu Minimaltarifen produziert. Die Umweltschäden etwa durch Pestizide und Insektizide auf monokulturell angelegten Baumwollfeldern sind furchterregend, die Gesundheitsschäden von Pflückern und Pflückerinnen ebenfalls. Über 20.000 unterschiedliche Chemikalien werden bei der Herstellung unserer Textilien eingesetzt und vergiften die Beschäftigten. Wer da Gewerkschaften gründen will, läuft Gefahr, den Job zu verlieren. Alternativen sind oft nicht in Sicht.

2013 ging die Schreckensnachricht vom eingestürzten »Rana Plaza« in Bangladesh, einem Produktionsort der globalisierten Fast Fashion, um die Welt. Mehr als 1.100 Produzent*innen unserer Wegwerf-Mode starben unter den Trümmern des hastig und unsachgemäß errichteten Fabrikgebäudes, 2.400 wurden verletzt. Ihre Arbeitsbedingungen sind seitdem verstärkt zum Thema auch bei hiesigen Konsument*innen geworden. Unter anderem waren sie in der Ausstellung »Fast Fashion – die Schattenseiten der Mode« zu besichtigen, die das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe konzipiert hat. Mittlerweile wurde sie in vier weiteren Städten gezeigt. Derzeit kann man sie bis zum 24. Februar noch im Kölner Rautenstrauch Joest Museum sehen. Außer dem Elend der Arbeitenden in der Textilindustrie – sie ist eine der weltweit größten – sind auch die von ihr verursachten Schäden in Natur und Umwelt dargestellt. Besonders grausig anzusehen und anzuhören ist ein Video, das die Gewinnung von Angora-Wolle vorführt: Einem jämmerlich schreienden Kaninchen wird bei lebendigem Leib das Fell ausgerupft. Wer das angeschaut hat, wird wohl kaum noch Angora-Pullover tragen mögen. Es wird aber nicht nur Schauerliches vorgeführt, vielmehr gibt es auch einen großen Raum voller Alternativen: von fair produzierter Mode über Upcycling-Konzepte und Do-it-yourself-Ideen bis zu neuen Fasern (beispielsweise Seacell aus Algen) und Technologien.

Wir hoffen euch, liebe Leser*innen, mit diesem Schwerpunkt einige aufrüttelnde Einblicke und Alternativ-Ideen vermitteln zu können. Der »Wegweiser durch das Label-Labyrinth«, herausgegeben von der CIR (Christliche Initiative Romero), kann unter anderem helfen. Ein Best-Practice-Tipp lautet: Vorhandenes nutzen statt Neues zu kaufen. Und vielleicht beteiligt ihr euch auch an den Kampagnen und Aktionen für eine menschenwürdige Textilherstellung

Ihr findet sie zum Beispiel unter https://saubere-kleidung.de/

Mehr zum Schwerpunkt >>


Spendenticker: 4.448,33 Euro fehlen noch

Liebe Leser*innen,

»Gutes Gelingen« wünschte uns ein Spender. Gute Wünsche und Lob tun uns gut. So schrieb uns zudem ein Leser: »Ich bin seit einigen Jahren treuer Leser eures Blattes und finde es immer wieder sehr bereichernd eine Zeitung zu lesen, die den Fokus auf bestehende Initiativen & Projekte legt, die bereits im Hier und Jetzt in Ansätzen Utopie zu Realität umwandelt! Vielen Dank für eure Arbeit! Ich hoffe, ihr erreicht auch dieses Jahr euer Spendenziel und wünsche mir, dass eure Abozahlen stetig steigen mögen!« Der Wunsch könnte für 2019 in Erfüllung gehen, der Trend ist schon mal da...

Ganzen Beitrag lesen >>

Jetzt Spenden! Das Spendenformular wird von betterplace.org bereit gestellt.

Gerne würdigen wir in der Zeitung unsere Spender*innen namentlich. (Bitte "Name Ja" auf der Überweisung anmerken.) Auf Wunsch senden wir eine Spendenbescheinigung.

Spendenkonto: Contraste e.V.

IBAN: DE02508900000051512405

BIC: GENODEF1VB