EIN KAMPF FÜR VIELFALT UND ACHTSAMKEIT

Schritt für Schritt haben sich seit den Anfängen der Queerbewegung politische Schwerpunkte verschoben und sich neue Gruppen gegründet. Foto: gaelx (flickr.com); CC-BY-SA 2.0

Der Begriff »queer« kam im deutschsprachigen Raum vor allem aus dem akademischen Umfeld der Gender Studies. Inzwischen nutzen immer mehr Aktivist*innen ihn für ihre politische Arbeit. Unser Schwerpunkt bietet einen Einblick in diese Arbeit, in deren Mittelpunkt ein solidarischer und achtsamer Umgang steht.

REGINE BEYSS, REDAKTION KASSEL


Auf Parties und Veranstaltungen linker, emanzipatorischer Gruppen treffen Gäste immer häufiger auf den Begriff »Awareness«. Übersetzt bedeutet das so viel wie Achtsamkeit, Sensibilität oder Bewusstsein. Meist fühlt sich ein Team von Menschen verantwortlich für dieses Thema, es gibt ein Konzept und bestimmte Ansprechpartner*innen. Doch was steckt genau dahinter?

Die qrew aus Kassel stellt in unserem Schwerpunkt ihr Verständnis von Awareness vor. Die Aktivist*innen haben sich im Dezember 2013 zusammengetan, um gezielt queer-feministische Inhalte mit Antikapitalismus und Antirassismus zu verbinden. Gleichzeitig wollten sie eine Gruppe gründen, die den oft sexistischen Umgang in der linken Szene thematisiert und abbaut. In Kassel wird die qrew inzwischen an vielen Stellen sicht- und hörbar: Sei es bei Demonstrationen wie gegen das »Lebensrecht-Forum« des Treffens Christlicher Lebensrecht-Gruppen, bei Awareness-Workshops oder bei ihrer Radiosendung im Freien Radio.

In Zeiten, in denen sexistisches Verhalten und anti-feministische Äußerungen von Parteien wie der AfD oder Politiker*innen wie Donald Trump wieder öffentlich in Szene gesetzt werden, wird es umso wichtiger, die Rechte von Frauen, Lesben, Schwulen, Inter- und Trans*menschen zu verteidigen und sichere Räume für sie zu öffnen. Im letzten Jahr stieg zum Beispiel die Zahl der Straftaten homophober Hasskriminalität in Deutschland deutlich auf über 200. Wer eine sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität hat, die nicht der Mehrheit entspricht, ist häufig mit Ablehnung, Ausgrenzung und Diskriminierung konfrontiert. Studien sprechen in diesem Zusammenhang auch von »gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit« - ein Begriff der feindselige Einstellungen gegenüber anderen Menschen zum Beispiel in Form von Sexismus, Homophobie, Rassismus oder Antisemitismus erfasst.

Martina Schradi möchte dem etwas entgegensetzen. Ihr Projekt »Ach so ist das?!« versteht sich als Beitrag zur Akzeptanz von sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Mit biografischen Comicreportagen lädt sie Interessierte dazu ein, sich in der Erfahrungswelt von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Inter- und Trans*-Menschen (LSBTI*) umzusehen. Die Bilder und Geschichten sollen Vorurteile abbauen und Menschen einander näher bringen. Für unseren Schwerpunkt hat Martina Schradi uns einen ihrer Comics zur Verfügung gestellt.

Um Sichtbarkeit und sichere Räume geht es auch beim lady*fest in Kassel, das in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfinden wird. Das vielfältige Programm aus Workshops, Vorträgen und Kulturveranstaltungen bietet genug Raum, sich mit den verschiedensten Problemen auseinanderzusetzen, die aus gesellschaftlichen Normen und Strukturen entstehen. Gleichzeitig geht es den Organisator*innen darum, einen solidarischen und achtsamen Umgang miteinander zu etablieren, gemeinsam aktiv zu werden und Spaß zu haben.

Ganz im Sinne von »Das Private ist politisch« machen die queerfeministische Aktivist*innen, die wir in dieser Ausgabe vorstellen, auf alltägliche Herrschaftsstrukturen aufmerksam, die es zu bekämpfen gilt. Der Kampf für eine herrschaftsfreie Gesellschaft muss diese Perspektive einschließen, wenn er erfolgreich sein soll.

Spendenziel 2017: 6.500 Euro

Seit 1984 informiert die CONTRASTE Monat für Monat über selbstorganisierten Widerstand und von Neuem im Alten. Aktivist*innen haben Raum, ihre Projekte authentisch darzustellen. Die selbstorganisierte Redaktion arbeitet ehrenamtlich. Abhängig sind wir allerdings von unseren Leser*innen, die uns regelmäßig fördern.   Dafür danken wir sehr.     Aber es reicht nicht ganz. Mit einem Bein zwar alternativ ist unser Zeitungsprojekt mit dem anderen der üblichen Geldgesellschaft verhaftet. Druck, Porto oder ein neues Layout müssen bezahlt sein.

Spendet, spendet, spendet. Damit die Contraste nicht in eine finanzielle Schieflage kommt. Über den hoffentlichen Erfolg unserer Spenden- und Abokampagne berichten wir regelmäßig auf Seite Zwei. Gerne würdigen wir dort unsere Spender*innen namentlich. (Bitte "Name Ja" auf der Überweisung anmerken.) Auf Wunsch senden wir eine Spendenbescheinigung.

Spendenkonto: Contraste e.V. IBAN:

DE02508900000051512405

BIC: GENODEF1VBD