• Das Streben nach Wachstum um jeden Preis spaltet die Gesellschaft, schafft wirtschaftliche Instabilität, untergräbt… https://t.co/9056Pf6LWo
  • Die Rollbahn des Luftgeschwaders 33 in #Büchel in der Eifel war unser Ziel. Wir waren fest entschlossen, Maschendra… https://t.co/pYXtiipygX

ERNÄHRUNGSSOUVERÄNITÄT

Europäisches Nyeleni-Treffen 2016 in Rumänien. Foto: nyelenieurope.net

Hunderte Organisationen und Bewegungen haben sich in den letzten Jahren in verschiedensten Aktivitäten und Kämpfen engagiert, um das Recht auf Ernährungssouveränität durchzusetzen bzw. zu verteidigen. Seit 2007 hat der Zusammenschluss dieser Bewegungen einen Namen: Nyeleni.

Brigitte Kratzwald, Redaktion Graz

Nyeleni ist der Name einer kämpferischen Bäuerin aus Mali und kämpferisch zeigt sich auch die Bewegung für Ernährungssouveränität. Das Besondere an dieser Bewegung ist, dass sie wirklich in allen Kontinenten vertreten ist und indigene Gruppierungen darin eine tragende Rolle spielen. In der Bewegung engagieren sich Bäuerinnen und Bauern, Fischer*innen und Hirt*innen, Landlose und Landarbeiter*innen, Indigene und Migrant*innen, aber auch Konsument*innen, Stadtaktivist*innen und Umweltschützer*innen.

Der holländische Agrarsoziologe van der Ploeg konstatiert die Entstehung einer »new peasantry«, eines »neuen Bauernstandes« an vielen verschiedenen Orten der Welt. Entgegen der Meinung, bäuerliches Leben sei traditionell, rückwärtsgewandt und zum Aussterben verurteilt, entgegen dem Mainstream des »Wachsen oder Weichens« hat sich eine neue Generation von Bäuerinnen und Bauern herausgebildet, die der neoliberalen Agrarindustrie, Gentechnologie und Monokulturen eine lebendige, kleinräumige und zukunftsfähige Art des Landwirtschaftens entgegensetzt. Mit Stolz verkünden sie »small farmers feed the world« und »small farmers cool down the planet« und verweisen damit darauf, dass diese Art des Umgangs mit der Natur sowohl die Ernährung sichern als auch dem Klimawandel entgegenwirken kann.

Van Ploeg und Kollegen haben diese neuen Initiativen in Europa, China und Brasilien untersucht und verglichen. Sie fanden heraus, dass sich zwar die Akteure unterscheiden, sowie die Probleme, auf die sie reagieren, dass es sich aber um vergleichbare soziale Praktiken handelt, die viele Gemeinsamkeiten aufweisen. In Europa sind es eher einzelne Bäuer*innen, die sich erst später vernetzen und mit Konsument*innen zusammenschließen, in Brasilien geht die Initiative meist von sozialen Bewegungen aus, in China spielt der Staat eine größere Rolle. Gemeinsam ist allen der Fokus auf neue Produkte, Produktionsweisen oder Dienstleistungen, die den Bäuer*innen ein gesichertes Einkommen schaffen und gleichzeitig natürliche Ressourcen erhalten oder sogar verbessern. Ziel ist das Erreichen eines gewissen Maßes an Autonomie, und da sich die Projekte in horizontalen Netzwerken entfalten, verbessern sie nicht nur das Leben der Bäuer*innen, sondern auch eines weiteren Umfelds.

Ihre Erfolge verdanken sie, so die Forscher, einer gewissen Sturheit und Dickköpfigkeit, mit der sie gegen die vorherrschenden Institutionen und Systeme und gegen ihr eigene Marginalisierung angehen. Sie sprechen von rebellischen Geistern, von einer Praxis des Widerstands, die sich aber nicht im »Dagegensein« erschöpft, sondern selbst Neues schafft. Van der Ploeg sieht sie als Samen oder Keimlinge neuer sozio-technischer Praktiken ländlicher Produktion und Vermarktung und daraus resultierender neuer Beziehungen zwischen Mensch und Natur und zwischen Stadt- und Landbevölkerung.

Der Schwerpunkt beginnt mit einer inhaltlichen Einführung von Julianna Fehlinger und Franziskus Forster und einem Bericht vom österreichischen Nyeleni-Forum 2018. Eine Art »Schwerpunkt im Schwerpunkt« beschäftigt sich auf Seite 10 mit dem aktuellen Thema Flucht und Migration im Zusammenhang mit Ernährungssouveränität. Auf Seite 11 findet sich ein Beitrag über die Situation von Bäuer*innen und Landarbeiter*innen in Palästina. Die Bewegung für Ernährungssouveränität findet ihr wissenschaftliches Gegenüber in der Agrarökologie, die auf Seite 12 von Franziskus Forster vorgestellt wird, mit praktischen Beispielen aus Asien und Afrika.

Diese Schwerpunktausgabe soll Handlungsmöglichkeiten eröffnen, die weit über ein »richtiges Einkaufen« hinausgehen. Nur gemeinsam kann eine Welt ohne Hunger, ohne Ausbeutung und Umweltzerstörung Wirklichkeit werden.

Zum Artikel-Übersicht im Schwerpunkt >>


Spendenticker: 1.564,99 Euro fehlen noch

Liebe Leser*innen, die Weltlage ist düster, aber im Kleinen erleben wir von der Contraste-Redaktion gerade viel Hoffnungsvolles. Unsere journalistische Arbeit für Neues im Alten wird sehr geschätzt, wir sollen weitermachen. Was wir ja natürlich auch wollen, fantastisch. Finanziell erreichten uns nämlich solidarische Fördermittel von der Genossenschaft »Café Libertad« in Höhe von 3.000 Euro. Diese gehen nicht in die »Aktion 2018« ein, wir verwenden das Geld, um außerplanmäßige Finanzlücken zu schließen, die Umgestaltung unserer Homepage voranzubringen und endlich mal was in den Sparstrumpf für schlechte Zeiten zurückzulegen. Das beruhigt unsere Nerven enorm. Ebenso hat dazu sehr beigetragen, dass weitere 1.579,01 Euro an Spenden eingegangen sind. Auch betterplace.org ist wieder dabei. So konnte die Seite 9 dieser Ausgabe finanziert werden. Wir sind tatsächlich aus dem Gröbsten raus, würden aber doch sehr gerne unser Spendenziel von 6.000 Euro erreichen, um unsere finanzielle Lage zu stabilisieren. Ganzen Beitrag lesen

Jetzt Spenden! Das Spendenformular wird von betterplace.org bereit gestellt.

Gerne würdigen wir in der Zeitung unsere Spender*innen namentlich. (Bitte "Name Ja" auf der Überweisung anmerken.) Auf Wunsch senden wir eine Spendenbescheinigung.

Spendenkonto: Contraste e.V.

IBAN: DE02508900000051512405

BIC: GENODEF1VB