Junge Menschen gehen freie Bildungswege

Foto: Manoel Eisenbacher / www.manofaktur.com

Wie können wir lernen und uns dabei gerecht sein? Wie können wir unsere Lern- und Lebenswege abseits von Institutionen wie der Universität gestalten? In vier vielfältigen »JahrGängen« haben sich rund vierzig junge Menschen im Alter von 18 bis 32 Jahren auf den Weg gemacht, um diese und weitere Fragen zu erforschen. 2014 ist so die Wanderuni entstanden, als selbstorganisiertes Netzwerk für Menschen, die freie Bildungswege gehen, an und in Gemeinschaft wachsen wollen und ihre Fragen in Dialog bringen möchten.

Marie, seit eineinhalb Jahren als Wanderstudentin unterwegs

Im Spätherbst findet ein erstes Kennenlerntreffen statt, bei dem sich Interessierte aus unterschiedlichen Kontexten zusammenfinden, um den Wanderuni-Gedanken kennenzulernen. Es ist ein Eintauchen in eine Kultur, die über die Jahre gewachsen ist und sich weiterhin durch immer neue Farbschattierungen und Impulse formt.

Es werden Geschichten erzählt, davon, wie Wanderuni sein kann und was sie für uns individuell bedeutet. Es wird davon geträumt, wie der nächste JahrGang gestaltet wird. Wer ist im nächsten Jahr unterwegs, sich seinen Fragen und den Themen der Gruppe zu widmen, im Miteinander den Begriff des Studierens, in seiner ursprünglichen Form, der, des intensiven Strebens, wiederzufinden? Wir wollen nicht mehr stumm in Vorlesungsräumen sitzen und stumpf auf Klausuren lernen, wenn da in uns so viele Fragen lebendig sind.

Von Frühjahr bis Herbst ziehen kleine bunte Gruppen durchs Land. Mit fragenden Gesichtern, teils angestrengt oder genervt, teils voller Freude, die schon aus der Ferne entgegen strahlt. Die gemeinsamen Monate sind auch eine innere Lernreise. Wenn ich mich an anderen reibe, stoße, spiegle, erkenne ich meine Grenzen und Bedürfnisse und kann mich darin üben, wie ich diese kommuniziere und respektvoll schütze.

Ein »So geht Wanderuni« gibt es nicht. Eher ist es diese Idee, das Alte loszulassen, um unterwegs von sich, in Gemeinschaft und aus Begegnungen oder auch organisierten Workshops zu lernen – in Dialog zu treten mit der Welt also, so wie es schon lange und in vielen Kulturen Tradition ist.

Was passiert, wenn wir aus dem gemachten Nest und den vorgegebenen Strukturen fallen? Wie treffen wir Entscheidungen, so dass jede berücksichtigt ist? Oft sind wir da immer noch unsicher und hadern. Das zähe Chaos, das manchmal in dieser Formlosigkeit entsteht, ist schwer auszuhalten.

Oft sind es kurze, spontane, einfache Begegnungen, aus denen wir Vertrauen schöpfen, die große Herzlichkeit spüren, die wir dachten, sie wäre uns als Welt schon verloren gegangen. Wandern macht uns weit und es scheint, als sei plötzlich alles möglich. Plötzlich stehen wir da, mutig und verletzlich, unseren Mangel zu zeigen und sind erstaunt, wenn daraus Fülle wird. Mit einem stolzen Schmunzeln erzähle ich manchmal, wie wir zu sechst und mit dem Fahrradbus, einem sehr besonderem Tandem, quer durch Deutschland getrampt sind. Oder wie wir, als wir eine trockene Übernachtungsmöglichkeit suchten, auf eine Künstlerin trafen, bei der wir im Atelier herzlich willkommen waren. Auch das Bedürfnis nach Nähe und Verbundenheit, nach einer warmen, tröstenden Umarmung oder einem stillen, zuhörenden Ohr wurde so meist erfüllt.

Begegnungen und Inhalte, die wir gemeinsam reflektieren können und aus denen sich unser Bild von Gesellschaft vervollständigt und wir mehr und mehr greifen können, wie die Welt, in der wir uns leben wünschen und die wir gestalten möchten, aussieht. Bilder, die wir gemeinsam im Schlafsack unter den Sternen liegend, zuhörend erspinnen, einfärben und erklingen lassen. Aus denen sich vielleicht kleine Vorsätze und Aufgaben ergeben. Nur das zu tun, was ich wirklich tun mag und das zu lassen, wozu mich mein Pflichtbewusstsein quält, zum Beispiel. Und das Zelt, das packt dann eben jemand anderes zusammen.

Wanderuni ist ein mich in‘s Leben schmeißen und zugleich ein sanftes »Hallo, hier bin ich, offen zuzuhören und zu lernen«. Wanderuni ist ein herausforderndes und Wärme spendendes Zuhause an Menschen, die auf ähnlichen Wegen und mit ähnlichen Fragen unterwegs sind.

Für offene Fragen und alles Weitere: www.wanderuni.de ,kontakt@wanderuni.de

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