Make Rojava Green Again

Foto: internationalistcommune.com

Seit vielen Jahren arbeiten wir als Internationalist*innen aus aller Welt in verschiedenen Strukturen in Rojava. Inspiriert von der revolutionären Perspektive der Kurdischen Befreiungsbewegung sind wir hier, um zu lernen, die vorhandenen Arbeiten zu unterstützen und weiter zu entwickeln. Es ist unser Ziel, eine neue Generation des Internationalismus zu organisieren, um die kapitalistische Moderne herauszufordern. Anfang 2017 etablierten wir, unterstützt von der Jugendbewegung in Rojava (YCR/YJC), die Internationalistische Kommune von Rojava. Unsere bisherigen Arbeiten umfassen Bildungen, Delegationsreisen, Sprachkurse und den Aufbau der ersten zivilen Akademie für InternationalistInnen in Rojava.

Internationalist Commune

Die Folgen kapitalistischer Mentalität und staatlicher Gewalt gegen Gesellschaft und Umwelt sind in Rojava deutlich zu sehen: Das Baath-Regime war und ist in ganz Syrien wenig an einer ökologischen Gesellschaft interessiert. Besonders im kolonisierten Westkurdistan standen stets die maximale Ressourcenausbeutung und hohe landwirtschaftliche Produktionsraten im Vordergrund. Die durch systematische Abholzung der Wälder ermöglichten Monokulturen von Weizen und Oliven in den Kantonen Cizire, Afrin und Kobani prägen die Landschaft Rojavas. Jahrzehntelang war es verboten, Bäume zu pflanzen und Gemüsegärten anzulegen – die Bevölkerung wurde durch repressive Politik und Unterentwicklung der Region systematisch zur Emigration als billige Arbeitskräfte in die umliegenden syrischen Metropolen wie Allepo, Raqqa und Homs angehalten. Energieproduktion und -verbrauch, mangelhafte Müllentsorgung und massiver Chemikalieneinsatz in der Landwirtschaft haben Boden, Luft und Wasser schwer belastet.

Die Bevölkerung in Rojava und ihre demokratische Selbstverwaltung haben jedoch nicht nur mit dem umweltpolitischen Nachlass des Baath-Regimes zu kämpfen. Eine ernsthafte Bedrohung stellt die feindliche Politik des türkischen Staates gegen Rojava dar. Neben militärischen Angriffen, der ständigen Drohung mit Invasion und einem totalen wirtschaftlichen Embargo ist insbesondere der Bau von Staudämmen im von der Türkei besetzten Nordkurdistan und die ungezügelte massive Grundwasserentnahme für die eigene Landwirtschaft ein Problem. In der Folge gibt es einen dramatischen Rückgang der von Norden nach Rojava fließenden Flüsse und ein stetes Absinken des Grundwasserspiegels – die Türkei dreht Rojava systematisch das Wasser ab.

Zwischen Krieg und Embargo – Ökologische Arbeiten in Rojava

Der Versuch sowohl der Türkei als auch Syriens, die Revolution in Rojava durch militärische, politische und wirtschaftliche Angriffe zu ersticken, der Krieg gegen den Islamischen Staat und das auch von der südkurdischen KDP unterstützte Embargo gegen Rojava schaffen schwierige Verhältnisse für ökologische Arbeiten in Rojava. Trotz verschiedenster Projekte wie der Schaffung von Naturschutzgebieten über umweltgerechte Müllentsorgung bis zu Wiederaufforstung, befinden sich die Strukturen der demokratischen Selbstverwaltung auch weiterhin in ernsthaften Widersprüchen und Sachzwängen. Die Arbeiten vieler regionaler Komitees und Projekte stecken oftmals noch in ihrer Anfangsphase oder kommen über die Planung nicht hinaus. Die ökologische Revolution in der Revolution steckt noch in den Kinderschuhen: Es fehlt an Bewusstsein in der Bevölkerung, Expert*innenwissen und Ideen, notwendiger Technologie und vor allem an finanziellen Mitteln.

Unser Beitrag zur ökologischen Revolution

Die Internationalistische Kommune von Rojava will ihren Teil zu dieser ökologischen Revolution in Nordsyrien beitragen und hat deswegen die Langzeit-Kampagne »Make Rojava Green Again« in Zusammenarbeit mit dem Ökologie-Komitee und dem Komitee für Naturschutz des Kantons Cizire ins Leben gerufen. Die Kampagne umfasst drei verschiedene Aspekte:

  1. Aufbau der internationalistischen Akademie entsprechend eines Lebens unter ökologischen Gesichtspunkten, mit Vorbildcharakter für vergleichbare Projekte und gesamtgesellschaftliche Konzepte; Bildung von InternationalistInnen und der Bevölkerung zur Stärkung des Bewusstseins für den Aufbau einer ökologischen Gesellschaft.
  2. Direkte Beteiligung an Arbeiten ökologischer Projekte zur Auffors­t­ung und der Aufbau einer Baumschule als Teil der internationalistischen Akademie.
  3. Materielle Unterstützung laufender und zukünftiger ökologischer Projekte der Strukturen der demokratischen Selbstverwaltung; Vermittlung von Wissen zwischen AktivistInnen, WissenschaftlerInnen und ExpertInnen und den Komitees und Strukturen in Rojava, u.a. zur Entwicklung einer langfristigen Perspektive für ein ökologisches Nordsyrien.

Die ersten zwei konkreten Projekte der »Make Rojava Green Again« – Kampagne sind

  • Die praktische Umsetzung des Konzepts für ein ökologisches Leben und Arbeiten in der Internationalistischen Akademie u.a. durch den Aufbau einer angeschlossenen Baumschule. Im Herbst 2018 werden wir 2.000 Bäume im Gelände der Akademie und 50.000 Stecklinge in der Baumschule pflanzen.
  • Die praktische und finanzielle Unterstützung des Komitees für Naturschutz in der Wiederaufforstung des Naturschutzgebiets »Hayaka« nahe der Stadt Derik/Kanton Cizire. Geplant ist über die nächsten fünf Jahren, mehr als 50.000 Bäume entlang der Ufer des Sefan-Sees zu pflanzen.

 

Internationalistische Kommune in Rojava

Anfang 2017 haben Internationalist*innen aus dem Mittleren Osten, Asien, Afrika, Europa, Amerika und Ozeanien begonnen, die Internationalistische Kommune in Rojava als selbstorganisiertes Kollektiv aufzubauen, das sich in Zusammenarbeit mit der Jugendbewegung aus Rojava (YCR) koordiniert. Bis dahin hatten die Aktivist*innen aus den unterschiedlichen Ländern verschiedene Strukturen in der Revolution in Rojava und Nordsyrien unterstützt. Obwohl sie alle einen eigenen politischen Hintergrund haben, vereinte und inspirierte sie alle die kurdische Bewegung mit ihrer neuen revolutionären Perspektive, die weit über den Mittleren Osten hinaus reicht.

Ziel der Kommune ist es, die Beteiligung von internationalen Aktivist*innen zu erleichtern. Erfolgreich war bereits der Aufbau der Sehid Helen Qerecox Internationalist Academy, in der erste Aktivist*innen unterrichtet wurden. 2018 startete die Kampagne »Make Rojava Green Again«.

Link: www.internationalistcommune.com

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