BILDUNG & SELBSTVERWALTUNG

»Die Schule von Athen« ist ein Fresko des Malers Raffael. Quelle: Wikipedia

Zwischen Kritik und Utopie

Im Song »We don‘t need no education….« von Pink Floyd reflektiert der Sänger Roger Waters seine Schulzeit in den 50er Jahren – in düsteren Bildern. Dem gegenüber steht das Fresko »Die Schule von Athen« von Raffael, das oben zu sehen ist. Es vermittelt ein sehr positives Bild von Bildung und erinnert an Formen alternativer, nicht-frontaler Bildungsvermittlung, wie sie häufig in der Alternativpädagogik anzutreffen sind – abgesehen davon, dass auf dem Bild nur Männer zu sehen sind.

Maurice Schuhmann, Berlin

Diese beiden Kunstwerke symbolisieren das Spannungsfeld, aus dem dieser Contraste-Schwerpunkt entstand – einerseits die Kritik am bestehenden System, andererseits die Utopie für eine selbstverwaltete und herrschaftsarme Bildung. Der Begriff »Bildung« wiegt dabei schwer. Er ist ein umkämpfter Begriff. Bildung gilt als Bedingung für Aufstieg und Veränderung, die Bildung des Menschen – im Sinne einer Herausbildung seiner Persönlichkeit – als eines der höheren Ziele der Menschheit. »Wissen ist Macht« lautete das Credo von Wilhelm Liebknecht, dem Begründer der Arbeiterbildungsschulen. Weiterhin gab es im sozialistischen und anarchistischen Spektrum eine sehr wichtige Bewegung für weltliche und alternative Schulen bis hin zur Gründung von Volkshochschulen. Aus der »Unterschicht« wurde im deutschsprachigen Raum »bildungsferne Schicht«. Bei studentischen Protesten wird stets der Humboldt‘sche Bildungsbegriff als Schlag- und Kampfbegriff hervorgezerrt. Bildung ist auch der Begriff, der die Fachhochschule und die Universität voneinander trennt. Die eine Institution dient der Ausbildung, die andere der Bildung. Die Demokratisierung von Bildung stand auch auf den Fahnen der 1968er Bewegung.

Beim Kampf um Alternativkonzepte spielt vor allem der Aspekt »Selbstverwaltung« eine große Rolle. Dieser Begriff zielt vor allem auf Autonomie und Unabhängigkeit gegenüber staatlichen Einrichtungen sowie auf Gleichberechtigung der arbeitenden und lernenden Menschen in Bezug auf die demokratischen, das Gemeinwesen betreffenden Entscheidungen.

Knapp 100 Jahre nach Beginn der Volkshochschulbewegung und gut 50 Jahre nach 1968 lohnt es sich, wieder einmal sich einen Überblick zu verschaffen, Wege und Irrwege zu reflektieren sowie eine Zwischenbilanz zu ziehen. Der »Markt« alternativer Bildungskonzepte ist mittlerweile sehr groß, fast schon unüberschaubar und kann nur partiell im Rahmen einer Schwerpunktausgabe dargestellt und diskutiert werden. Wir mussten uns daher beschränken und konnten nur einen winzigen Teil jener Szene abbilden, der auch nicht den Anspruch auf generelle Repräsentation erhebt.

Die Auswahl ist geprägt durch den Versuch, vorschulische Bildungsansätze, Hochschulbereich, außerschulische und -universitäre Ansätze, Dialog von Wissenschaft und Bürger*in sowie auch die Organisation von Tätigen in der Branche abzubilden. Dabei geht es nicht um ein unkritisches Propagieren jener Konzepte, sondern auch ein Stück weit über die Grenzen dessen. Die Ausgabe soll zum Reflektieren und Diskutieren von Alternativen im Bildungssektor anregen. Vielleicht läßt sich ja auch mittelfristig eine eigene Themenseite »Bildung« in der Contraste etablieren, die einen stetigen Informationsfluss und Austausch ermöglicht.

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